Einblick in die Realität eines Nachtzug-Start-ups
21 Mai 2026
Wir haben European Sleeper mit einer klaren Idee gegründet. Europa wieder mit Nachtzügen zu verbinden, auf eine Weise, die vertrauenswürdig, gemeinschaftlich und sinnvoll ist. Diese Reise entwickelt sich noch immer weiter. Und wie jede Reise bringt sie ruhige Strecken genauso wie schwierige Momente mit sich.In ganz Europa stehen wir damit nicht allein da. Immer mehr Reisende entscheiden sich dafür, anders unterwegs zu sein, Kurzstreckenflüge gegen langsamere Nächte einzutauschen und in einer neuen Stadt aufzuwachen, statt hektisch zwischen Orten hin- und herzueilen. Verbindungen, die einmal verschwunden waren, kehren nach und nach zurück. Jede neue Strecke ist ein Schritt hin zu einer stärker verbundenen und bewussteren Art des Reisens.
Am 26. März 2026 haben wir einen wichtigen Schritt gemacht. Innerhalb von nur vier Monaten haben wir die Nachtzugverbindung zwischen Paris und Berlin zurückgebracht. Unser kleines, ambitioniertes Team hat das grenzüberschreitend, über verschiedene Systeme und Partner hinweg möglich gemacht. Darauf sind wir stolz, und seit dem Start sind bereits mehr als 11.000 Fahrgäste mit uns auf dieser Strecke gereist.
Die letzten Wochen haben uns daran erinnert, dass eine neue Nachtzugverbindung nicht ohne Herausforderungen entsteht. Leider entsprach die Reise zwischen Berlin und Paris nicht immer dem Standard, den Fahrgäste von uns erwarten dürfen. Es kam zu erheblichen Verspätungen, die unterwegs für Unsicherheit sorgten, auch zu einigen Ausfällen und Downgrades, und an mehreren Tagen mussten wir den französischen Teil der Strecke mit Ersatzbussen bedienen. Wir prüfen derzeit sorgfältig, was passiert ist und wie wir solche Situationen in Zukunft vermeiden können.
Ein Teil der Herausforderung liegt in der Realität einer neuen internationalen Zugverbindung. Nachtzüge überqueren Grenzen, und damit kommen unterschiedliche Sicherheitssysteme, Planungsprozesse und Stromsysteme zusammen. In diesem Fall war das eingesetzte Wagenmaterial von Anfang an nicht zuverlässig genug, was auch zu häufigen Toilettenausfällen an Bord führte. Außerdem konnten wir den französischen Teil der Reise aus verschiedenen Gründen nicht wie geplant durchführen, darunter ein vorübergehender Mangel an betrieblichem Zugpersonal in Frankreich, ein zeitweiliger Mangel an Abstellmöglichkeiten in Paris sowie Bauarbeiten an der Strecke an einigen Wochenenden. Es ist uns wichtig, unsere Fahrgäste wie versprochen an ihr endgültiges Reiseziel zu bringen. Deshalb haben wir für den französischen Teil der Reise stets einen Ersatzverkehr mit Bussen organisiert. Gleichzeitig verstehen wir, dass dies nicht die Reiseerfahrung ist, die unsere Fahrgäste erwartet hatten.
Das ist nicht die Erfahrung, die wir bieten möchten. Und selbst wenn Teile einer Reise von Partnern und Systemen abhängen, die außerhalb unserer direkten Kontrolle liegen, bleibt die Verantwortung dir gegenüber als Fahrgast bei uns. Etwas Neues aufzubauen bedeutet, unter realen Bedingungen zu lernen. Nicht alles lässt sich auf dem Papier vorhersehen, besonders nicht über mehrere Länder und Systeme hinweg. Aber jede Störung zeigt uns klarer, wo wir genauer hinschauen, widerstandsfähiger werden und besser vorbereitet sein müssen.
Genauso wichtig ist für uns die Frage, wie wir in solchen Momenten kommunizieren. Klare und rechtzeitige Informationen können schwierige Situationen besser handhabbar machen, und genau das können wir verbessern.
An alle, die mit uns gereist sind, besonders an diejenigen, die von Einschränkungen betroffen waren: Danke für eure Geduld und dafür, Teil dieser Reise zu sein, auch wenn sie nicht immer so ruhig verlaufen ist, wie sie sollte.